Wie Sie Ihr Kind mit Legasthenie unterstützen können

Praktische Strategien und Tipps, um Kinder mit Legasthenie beim Lernen zu stärken und ihr Selbstvertrauen aufzubauen.

  1. Erste Schritte nach der Diagnose. Informieren Sie sich über Legasthenie, um die Herausforderungen Ihres Kindes besser zu verstehen. Sprechen Sie offen mit Ihrem Kind über seine Lernbesonderheit – erklären Sie, dass sein Gehirn einfach anders funktioniert und das völlig normal ist. Betonen Sie die Stärken Ihres Kindes und zeigen Sie Beispiele erfolgreicher Menschen mit Legasthenie. Nehmen Sie Kontakt zur Schule auf und besprechen Sie mögliche Unterstützungsmaßnahmen wie Nachteilsausgleich oder zusätzliche Zeit bei Tests.
  2. Lernumgebung zu Hause gestalten. Schaffen Sie einen ruhigen, ablenkungsfreien Arbeitsplatz mit guter Beleuchtung. Nutzen Sie Hilfsmittel wie farbige Folien, spezielle Schriftarten oder digitale Vorleseprogramme. Strukturieren Sie Lernzeiten mit regelmäßigen Pausen – kurze, häufige Lerneinheiten sind oft effektiver als lange Sitzungen. Verwenden Sie verschiedene Sinne beim Lernen: Buchstaben in Sand schreiben, Wörter sprechen und hören, oder Bewegungen mit Buchstabenformen verbinden.
  3. Lesen und Schreiben fördern. Lesen Sie täglich gemeinsam vor und lassen Sie Ihr Kind mitlesen, auch wenn es noch Schwierigkeiten hat. Wählen Sie Bücher, die dem Interesse Ihres Kindes entsprechen, auch wenn sie einfacher sind als für das Alter üblich. Beim Schreiben können Sie mit Rechtschreibregeln arbeiten, aber konzentrieren Sie sich zunächst auf den Inhalt, nicht nur auf die korrekte Schreibung. Nutzen Sie Rechtschreibhilfen und Computerprogramme, die speziell für Legasthenie entwickelt wurden.
  4. Selbstvertrauen stärken. Loben Sie die Anstrengungen Ihres Kindes, nicht nur die Ergebnisse. Feiern Sie kleine Fortschritte und erkennen Sie an, wie hart Ihr Kind arbeitet. Helfen Sie Ihrem Kind dabei, seine besonderen Talente zu entdecken – viele Kinder mit Legasthenie sind sehr kreativ, haben gute räumliche Vorstellungskraft oder sind praktisch begabt. Vermeiden Sie Vergleiche mit Geschwistern oder anderen Kindern und konzentrieren Sie sich auf die individuelle Entwicklung Ihres Kindes.
  5. Zusammenarbeit mit der Schule. Sprechen Sie regelmäßig mit den Lehrkräften über die Bedürfnisse Ihres Kindes. Beantragen Sie einen Nachteilsausgleich, wenn nötig – das kann mehr Zeit bei Klassenarbeiten, mündliche statt schriftliche Prüfungen oder die Nutzung technischer Hilfsmittel bedeuten. Achten Sie darauf, dass die Lehrkräfte über Legasthenie informiert sind und angemessene Erwartungen haben. Arbeiten Sie gemeinsam an einem Förderplan, der regelmäßig überprüft und angepasst wird.
  6. Professionelle Hilfe finden. Suchen Sie eine qualifizierte Legasthenie-Therapie oder Lerntherapie, wenn die schulische Förderung nicht ausreicht. Achten Sie darauf, dass die Therapeutin oder der Therapeut eine anerkannte Ausbildung hat und Erfahrung mit Legasthenie. Eine gute Therapie sollte auf die individuellen Bedürfnisse Ihres Kindes eingehen und regelmäßig den Fortschritt überprüfen. Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn es Zeit braucht – Legasthenie-Therapie ist ein längerer Prozess.