Was tun, wenn Ihr Teenager sich selbst verletzt
Ein einfühlsamer Leitfaden für Eltern, deren Teenager sich ritzt oder anderweitig selbst verletzt.
- Bleiben Sie ruhig und urteilen Sie nicht. Ihr erster Impuls mag Panik oder Wut sein, aber versuchen Sie, ruhig zu bleiben. Ihr Teenager braucht jetzt Ihre Unterstützung, nicht Ihre Vorwürfe. Vermeiden Sie Aussagen wie 'Wie konntest du nur' oder 'Das ist doch verrückt'. Atmen Sie tief durch und erinnern Sie sich daran, dass Ihr Kind leidet und nicht versucht, Ihnen zu schaden. Selbstverletzung ist oft ein Versuch, mit überwältigenden Gefühlen umzugehen.
- Führen Sie ein einfühlsames Gespräch. Suchen Sie einen ruhigen Moment und sprechen Sie Ihr Kind direkt an. Sagen Sie etwas wie 'Mir ist aufgefallen, dass du Verletzungen hast. Ich mache mir Sorgen um dich und möchte dir helfen.' Hören Sie zu, ohne zu unterbrechen oder Lösungen anzubieten. Lassen Sie Ihr Kind erzählen, wenn es möchte, aber drängen Sie es nicht. Zeigen Sie, dass Sie da sind und dass Sie es lieben, egal was passiert ist.
- Sorgen Sie für sofortige Sicherheit. Überprüfen Sie, ob die Wunden versorgt werden müssen. Reinigen und verbinden Sie Verletzungen oder suchen Sie bei tiefen Schnitten sofort einen Arzt auf. Entfernen Sie Gegenstände, die zur Selbstverletzung verwendet werden könnten, aber tun Sie dies offen und erklären Sie, dass es zu Ihrem beider Sicherheit dient. Lassen Sie Ihr Kind in den ersten Tagen nicht allein, bis professionelle Hilfe organisiert ist.
- Holen Sie sich professionelle Hilfe. Kontaktieren Sie umgehend Ihren Kinderarzt, einen Kinder- und Jugendpsychiater oder eine Beratungsstelle. Selbstverletzung ist ein ernstes Warnsignal und gehört in professionelle Hände. Viele Therapeuten sind auf Jugendliche spezialisiert. Scheuen Sie sich nicht, auch selbst Beratung in Anspruch zu nehmen - als Eltern brauchen Sie ebenfalls Unterstützung in dieser schweren Zeit.
- Verstehen Sie die Warnsignale. Achten Sie auf Anzeichen wie das Tragen langer Kleidung auch bei warmem Wetter, häufige 'Unfälle', Rückzug von Familie und Freunden, starke Stimmungsschwankungen oder das Verstecken von scharfen Gegenständen. Auch wenn Sie bisher nichts bemerkt haben, bedeutet das nicht, dass Sie als Eltern versagt haben. Selbstverletzung kann sehr gut versteckt werden und hat viele komplexe Ursachen.
- Unterstützen Sie den Heilungsprozess. Arbeiten Sie eng mit den Therapeuten zusammen und befolgen Sie deren Ratschläge. Schaffen Sie zu Hause eine offene, verständnisvolle Atmosphäre. Ermutigen Sie gesunde Bewältigungsstrategien wie Sport, Musik oder Tagebuchschreiben. Haben Sie Geduld - Heilung braucht Zeit. Feiern Sie auch kleine Fortschritte und zeigen Sie Ihrem Kind regelmäßig, dass Sie stolz auf seinen Mut sind, Hilfe anzunehmen.