Wie Sie den Nachlass nach dem Tod eines Elternteils regeln

Praktische Schritte zur Nachlassabwicklung nach dem Verlust eines Elternteils – von Behördengängen bis zur Erbschaftsregelung.

  1. Erste Schritte unmittelbar nach dem Tod. Lassen Sie zunächst den Tod amtlich feststellen – bei einem Tod zu Hause rufen Sie den Notarzt oder Hausarzt. Beantragen Sie beim Standesamt die Sterbeurkunde (benötigen Sie mehrfach). Informieren Sie die wichtigsten Personen: Familie, enge Freunde, Arbeitgeber des Verstorbenen. Sichern Sie wichtige Dokumente wie Testament, Vollmachten, Versicherungsunterlagen und Bankdokumente. Sorgen Sie für die Bestattung – falls keine Vorgaben existieren, entscheiden Sie gemeinsam mit der Familie.
  2. Testament und Erbschein beantragen. Suchen Sie nach einem Testament oder Erbvertrag in den Unterlagen, beim Notar oder im Nachlassgericht. Liegt ein Testament vor, geben Sie es beim Nachlassgericht ab. Prüfen Sie, ob Sie einen Erbschein benötigen – dieser weist Sie als rechtmäßige Erben aus. Den Erbschein beantragen Sie beim Nachlassgericht mit der Sterbeurkunde und Ihren Personaldokumenten. Beachten Sie: Sie haben sechs Wochen Zeit, ein Erbe auszuschlagen, falls es überschuldet ist.
  3. Finanzen und Verträge regeln. Informieren Sie alle Banken über den Todesfall und lassen Sie Konten sperren. Kündigen Sie laufende Verträge wie Strom, Gas, Telefon, Versicherungen und Abonnements. Prüfen Sie Versicherungsansprüche, besonders Lebensversicherungen. Melden Sie den Tod bei der Rentenversicherung, Krankenkasse und anderen Sozialversicherungsträgern. Stellen Sie Anträge auf Witwen- oder Waisenrente, falls zutreffend. Führen Sie ein genaues Verzeichnis aller Vermögenswerte und Schulden.
  4. Steuerliche Angelegenheiten. Geben Sie die letzte Einkommensteuererklärung des Verstorbenen ab – als Erbe sind Sie dazu verpflichtet. Prüfen Sie, ob Erbschaftssteuer anfällt (abhängig von Verwandtschaftsgrad und Höhe des Erbes). Nutzen Sie Freibeträge: Ehepartner haben 500.000 Euro, Kinder 400.000 Euro Freibetrag. Sammeln Sie alle steuerrelevanten Belege und wenden Sie sich bei komplexen Fällen an einen Steuerberater.
  5. Haushaltsauflösung und persönliche Gegenstände. Planen Sie die Haushaltsauflösung schrittweise – lassen Sie sich Zeit für emotionale Entscheidungen. Sortieren Sie gemeinsam mit der Familie persönliche Erinnerungsstücke. Lassen Sie wertvolle Gegenstände professionell schätzen. Spenden Sie gut erhaltene Gegenstände oder verkaufen Sie sie. Entsorgen Sie den Rest fachgerecht. Kündigen Sie die Wohnung oder regeln Sie bei Eigentum den Verkauf oder die Übernahme.